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Angela Dorrer
ARTIST STATEMENT
Mir wurde eine strenge Trennung beigebracht zwischen dem innerhalb und außerhalb sich Befindenden. Das Innerhalb betrachtete ich als 'mein', und es verschmolz mit dem Bild, das ich mir von mir selbst machte, sozusagen mein System, meine Heimat oder meine Identität. Meine Haut oder ein immer wieder neu definierter Bereich fungierte dabei als Grenze. Alles, was ich als gut und nutzbringend betrachtete, versuchte ich mir anzueignen. Alles, was sich außerhalb dieses abgesteckten Bereiches, jenseits der Hauthülle oder der Grenze befand, und was ich für weniger gut befand, galt als angsteinflössend. Es war dazu verdammt, entweder abgelehnt oder einverleibt zu werden, denn dann würde es in meine Ordnung übergehen und folglich keine Bedrohung mehr darstellen. Die Erkenntnis, dass ich, was ich nicht assimilieren konnte, abweisen musste, führte zu Unsicherheiten in meinem Verhalten mir selbst und meiner Umwelt gegenüber.
Meine Methode ist die der Beobachtung, der Verführung und der Befragung einer Vielzahl von Beziehungen, die den Betrachter miteinschließen. Immer wieder geht es mir um Netzwerke und die Identität von Gemeinschaften. Mich motiviert die Neugier auf verschiedene Felder, das Sich-Einlassen auf Situationen und deren Inszenierung mit dem Ziel ganz bestimmte Stimmungen und Bilder zu erzeugen. Die Recherche, die persönlichen Interaktionen, die Geschichten und das Endergebnis sind mir dabei gleich wichtig. Ich selbst nehme in meinen Projekten unterschiedliche Rollen ein. Die Unvereinbarkeit zwischen einer subjektiv-persönlichen und einer distanziert-analytischen Haltung stellt dabei ein für mich nicht lösbares Dilemma dar. Dem begegne ich, indem ich ganz bewusst eine Gratwanderung zwischen beiden Perspektiven wähle. Manchmal lenke ich die Situation von außerhalb, dann wieder werde ich zum Teil des geschaffenen Bildes. Mich faszinieren die Kippmomente zwischen beiden Bereichen, wenn etwa das subjektive Moment über sich selbst hinausweist und dadurch eine Allgemeingültigkeit erreicht. Durchlässigkeiten und Reversibilität zwischen diesen Feldern fasse ich in Rituale der Kunst. Eine Idealform ist dann erreicht, wenn ich die Offenheit finde, die das Changieren zwischen Nähe und Distanz ermöglicht.
Auschnitte aus Essay "INSZENIERTE ARCHIVE. Über die Projekte Cookies und Familysculpture": "Sammeln", "Museum zum Quadrat", Hsg. Karl Stocker, Verlag Turia & Kant 2006
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